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Jetzt erst recht Verantwortung übernehmen

BDKJ-Landesausschuss bekräftigt Position zur Willkommenskultur in Bayern

München, 26. Oktober 2015. Am Wochenende fand der Landesausschuss des Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Bayern statt. Auf dem zweithöchsten Gremium beschäftigten sich die Delegierten der Mitglieds- und Diözesanverbände im Studienteil mit der Frage von "Willkommenskultur und Jugend(verbands)arbeit". Im Anschluss verabschiedete der Landesausschuss nach langer und konstruktiver Diskussion den Beschluss "Nachhaltige Verantwortung für Geflüchtete wahrnehmen".

Die Situation in Bayern hat sich in den letzten zwei Jahren in Bezug auf die Flüchtlingsfrage grundlegend verändert. Die Zahl der Geflüchteten ist, wie zu erwarten war, in den letzten Monaten stark gestiegen. Menschen fliehen vor Not, (Bürger-)Krieg, Verfolgung und Tod. Sie haben neben dem Grundrecht auf Asyl auch ein Anrecht auf eine menschenwürdige Behandlung. Darüber hinaus braucht es neue Konzepte, wie gelungene Integration aussehen kann. Die katholischen Jugendverbände des BDKJ Bayern sehen ihre Verantwortung und werden diese auch in Zukunft wahrnehmen. Außerdem muss auch der Staat seine Verantwortung wahrnehmen. Bei den jugendpolitischen Gesprächen bekommt der BDKJ Bayern viel Zustimmung für seine bisherigen Positionierungen.

"Anstatt Zäune und Grenzen, die längst überwunden schienen, wieder aufzubauen, benötigt Bayern ein langfristiges Konzept, um Integration für alle, die zu uns kommen, gelingen zu lassen" fasst Jens Hausdörfer, Geistlicher Verbandsleiter BDKJ Bayern, die aktuelle Situation zusammen.

Gerade Angesichts der aktuellen Entwicklungen der Geflüchtetenzahlen fordert der BDKJ Bayern weiterhin unter anderem:

  • eine menschenwürdige Versorgung und Unterbringung und die Beibehaltung der Geldleistung vor Sachleistung;
  • eine sofortige Veränderung des Dublin-Systems dahingehend, dass derjenige Staat für ein Asylverfahren zuständig sein soll, in dem die Asylsuchenden ihren Antrag stellen wollen;
  • die Öffnung des Kinder- und Jugendhilfesystems auch für Kinder und Jugendliche, die in Begleitung ihrer Eltern nach Deutschland geflüchtet sind;
  • eine fachlich qualifizierte Betreuung und Beratung und integrative Angebote;
  • berufsorientierende Maßnahmen vom ersten Tag des Aufenthaltes;- die Beibehaltung der Jugendhilfeleistungen für die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten;
  • die nachhaltige Bekämpfung von Fluchtursachen und Unterstützung beim Aufbau von stabilen, rechtsstaatlichen und zivilgesellschaftlichen Strukturen in den Herkunftsländern.

Vor diesem Hintergrund sieht es der BDKJ Bayern als vordringlichste Aufgabe der Bayerischen Staatsregierung ausreichend Finanzmittel und Personal bereit zu stellen und auf allen politischen Ebenen für eine durch ein christliches Menschenbild geprägte Asylpolitik einzutreten, die nicht auf Abgrenzung sondern auf Integration zielt.

"Nachhaltige Integration gelingt unseres Erachtens in erster Linie über Sprache, Ausbildung, Arbeit sowie gesellschaftliche und politische Teilhabe. Unsere Jugendverbände leisten auf all ihren Ebenen aktive Hilfe bei der Aufnahme, Versorgung und Betreuung, insbesondere von jungen Geflüchteten. Die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement in der Gesellschaft ist sehr hoch. Dieses ergänzt, kann langfristig aber nicht staatliche Leistungen ersetzen" schließt Jens Hausdörfer.

Autor: Christoph Schreiber, BDKJ Bayern/cs
Hände an einem Stacheldraht

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